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Leitfaden

Avalkredit: Bankbürgschaften verstehen und steuern

Wer im Bau oder Anlagenbau Aufträge gewinnt, kennt die Bedingung im Vertrag: Ohne Bürgschaft kein Auftrag. Genau hier setzt der Avalkredit an. Die Bank bürgt für Ihre Verpflichtung, zahlt aber nichts aus — sie stellt Ihre Bonität zur Verfügung, nicht ihr Geld. Das schont Ihre Liquidität, belegt aber eine Linie, die genauso begrenzt ist wie der Kontokorrent.

Dieser Leitfaden erklärt, was ein Avalkredit ist, welche Avalarten im Mittelstand zählen, wie Avalprovision und Avalrahmen zusammenhängen — und warum das Gesamtobligo in die Liquiditätsplanung gehört, auch wenn es dort auf den ersten Blick nichts zu suchen scheint.

Was ist ein Avalkredit?

Ein Avalkredit ist eine Kreditlinie, aus der Ihre Bank Bürgschaften und Garantien zugunsten Dritter übernimmt. Der Begriff Aval steht dabei für die Bürgschaft selbst. Anders als beim klassischen Barkredit fließt kein Geld auf Ihr Konto: Die Bank verleiht ihre Bonität, indem sie einem Auftraggeber, Vermieter oder Lieferanten zusagt, im Ernstfall einzuspringen.

Der Ablauf ist immer gleich. Ihr Unternehmen beauftragt die Bank, sie stellt eine Bürgschaftsurkunde zugunsten des Begünstigten aus, und dieser hält sie als Sicherheit. Solange Sie Ihre Verpflichtung erfüllen, passiert nichts weiter — der Aval bleibt ein Versprechen. Erst wenn der Begünstigte den Aval zieht, zahlt die Bank an ihn und fordert den Betrag anschließend von Ihnen zurück.

Der entscheidende Unterschied zum Barkredit: Ein Avalkredit belastet Ihre Liquidität zunächst nicht. Er schont das Konto, weil kein Zahlungsmittel gebunden wird. Gleichzeitig belegt er aber Ihren Avalrahmen — jene Linie, die die Bank für Bürgschaften einräumt. Diese Linie ist endlich, und jeder offene Aval reduziert den Spielraum für den nächsten Auftrag.

Die wichtigsten Avalarten

Im Projektgeschäft begegnen Ihnen einige Aval-Typen immer wieder. Sie sichern unterschiedliche Phasen eines Auftrags ab — von der Anzahlung bis zum Ablauf der Gewährleistung — und binden Ihren Rahmen entsprechend lang.

AvalartSichert abTypische Laufzeit
AnzahlungsavalRückzahlung geleisteter Anzahlungen des Auftraggebersbis Leistungsfortschritt
VertragserfüllungsavalOrdnungsgemäße Ausführung des Auftragsbis Abnahme
GewährleistungsavalMängelfreiheit nach der Abnahmeoft mehrere Jahre
MängelansprücheavalAnsprüche aus späteren Mängelnoft mehrere Jahre

Auffällig ist die Laufzeit: Ein Vertragserfüllungsaval endet mit der Abnahme, ein Gewährleistungsaval läuft dagegen häufig über Jahre weiter. Genau diese langen Avale sind es, die unbemerkt Rahmen blockieren — vor allem, wenn die Urkunde nach Fristablauf nie an die Bank zurückgegeben wurde.

Avalprovision und Avalrahmen

Ein Avalkredit ist nicht kostenlos, auch wenn kein Geld fließt. Die Bank berechnet eine Avalprovision — einen jährlichen Prozentsatz auf den verbürgten Betrag, dafür dass sie ihre Bonität und ihr Ausfallrisiko zur Verfügung stellt. Die Höhe hängt von Ihrer Bonität, der Avalart und der Bank ab.

Als grobe Orientierung: Avalprovisionen bewegen sich üblicherweise im niedrigen einstelligen Prozentbereich pro Jahr auf den Bürgschaftsbetrag. Das ist ausdrücklich nur eine Größenordnung — die tatsächlichen Sätze legt Ihre Bank individuell fest, und sie können deutlich abweichen. Verbindlich sind allein Ihre Konditionen.

Das folgende Rechenbeispiel arbeitet mit generischen Beispielwerten und einem angenommenen Satz, nicht mit realen Konditionen:

AvalBetrag (€)Satz p.a.Provision/Jahr (€)
Vertragserfüllung500.0001,5%7.500
Gewährleistung200.0001,5%3.000
Summe (Beispiel)700.00010.500

Die Provision läuft, solange der Aval offen ist — Jahr für Jahr. Der Avalrahmen ist das zweite Steuerungselement: die von der Bank eingeräumte Obergrenze für die Summe aller offenen Avale. Jeder ausgestellte Aval belegt einen Teil davon, jeder zurückgegebene gibt ihn frei. Ist der Rahmen ausgeschöpft, lässt sich der nächste Auftrag nicht mehr absichern — auch wenn das Konto voll ist.

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Warum der Aval in die Liquiditätsplanung gehört

Auf den ersten Blick hat ein Avalkredit in der Liquiditätsplanung nichts zu suchen: Er bewegt kein Geld, solange er nicht gezogen wird. Genau das macht ihn tückisch. Drei Gründe sprechen dafür, ihn trotzdem neben die Planung zu stellen.

Erstens ist der Avalrahmen Teil Ihrer Banklinien. Wie der Kontokorrent ist er endlich, und seine Auslastung entscheidet mit, ob Sie den nächsten Auftrag annehmen können. Wer nur den Kontostand sieht, übersieht diese zweite, ebenso harte Grenze.

Zweitens ist jeder Aval ein latentes Liquiditätsrisiko. Wird er gezogen, zahlt die Bank sofort und belastet Ihr Konto in gleicher Höhe — aus einer stillen Bürgschaft wird über Nacht ein realer Abfluss. Das Gesamtobligo im Blick zu behalten heißt, dieses Risiko zu kennen, bevor es eintritt.

Drittens kosten vergessene Fristen bares Geld und Rahmen. Ein Gewährleistungsaval, dessen Frist längst abgelaufen ist, dessen Urkunde aber nie zurückgegeben wurde, blockiert weiter Ihre Linie und verursacht weiter Provision. Eine Fristenübersicht macht solche Karteileichen sichtbar.

Damit ist der Aval kein Posten in der Liquiditätsplanung, sondern eine Übersicht daneben — ein Monitoring von Obligo je Art, Gesamtobligo und Fristen. Genau das leistet die Avalübersicht als Avalspiegel: Sie zeigt auf einen Blick, wie viel Rahmen belegt ist, welche Avale bald ablaufen und welches Risiko im Ziehungsfall auf die Liquidität durchschlägt. Zusammen mit der 13-Wochen-Liquiditätsplanung ergibt sich das vollständige Bild: liquide Mittel, Banklinien und Avalobligo in einer konsistenten Finanzsicht.

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Häufige Fragen

Die wichtigsten Fragen zum Avalkredit haben wir am Ende dieser Seite zusammengefasst.

Häufige Fragen

Was bedeutet Aval?
Aval bezeichnet eine Bürgschaft oder Garantie, die eine Bank im Auftrag ihres Kunden zugunsten eines Dritten übernimmt. Die Bank zahlt nichts aus, sondern steht mit ihrer Bonität dafür ein, dass Ihr Unternehmen eine Verpflichtung erfüllt. Erst wenn der Begünstigte den Aval zieht, wird die Bank leistungspflichtig — und holt sich den Betrag von Ihnen zurück.
Belastet ein Avalkredit die Liquidität?
Nicht direkt. Ein Aval bindet keine Zahlungsmittel, solange er nicht gezogen wird — er belegt aber Ihren Avalrahmen und damit einen Teil der Banklinien. Im Ziehungsfall wird er sofort liquiditätswirksam. Deshalb gehört das Obligo neben die Liquiditätsplanung, damit die freie Linie und die Fristen jederzeit sichtbar bleiben.
Wie hoch ist die Avalprovision?
Die Avalprovision ist ein jährlicher Prozentsatz auf den verbürgten Betrag und hängt von Bonität, Avalart und Bank ab. Übliche Größenordnungen liegen grob im niedrigen einstelligen Prozentbereich pro Jahr — verbindlich sind allein die Konditionen Ihrer Bank. Wichtig: Abgelaufene, aber nicht zurückgegebene Avale kosten oft weiter Provision.